Die Abschaltung von 7 Atomkraftwerken ist ein richtiger Schritt - jetzt müssen weitere Schritte folgen
Die verherrende atomare Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis am 11,12 und 13 März 2011, in deren Folge in drei Kraftwerksblöcken eine Kernschmelze durch Stromausfall einsetzte, hat die Bundesregierung binnen 24 Stunden zu der eigentlich nicht neuen Erkenntnis gebracht, daß auch unsere Atomkraftwerke möglicherweise doch nicht so sicher sind, wie bis zum 13.3.2011 u.a. von Bundeskanzlerin Angela Merkel behauptet wurde. Von "sicher" auf "sicher lieber abschalten" - wenngleich auch nur für 3 Monate-bedurfte es angesichts der japanischen Tragödie dann nur weniger Stunden. Offiziell! Inofiziell ist den verantwortlichen Behörden die Störanfälligkeit gerade der bis zu 30 Jahre alten Atommeiler durchaus seit Jahren bekannt, denn diese müssen gemeldet werden. Das Moratorium der Bundesregierung sollte aber nicht nur zu einer erneuten und genaueren Sicherheitsüberprüfung aller AKW´s genutzt werden um dann - wenn der Wahlkampf vorbei und die japanische Katastrophe nicht mehr Gegenstand der hitzigen und besorgten Diskussion in den Medien die Titelzeilen schmückt- zur Tagesordnung wieder überzugehen. Vielmehr sollten die Altmeiler für immer vom Stromnetz genommen werden, da sie durch Alterung und techn. Versagen eine Dauerbedrohung darstellen. Und sie kosten dem Steuerzahler ein Vermögen. Niemand kann heute genau beziffern, was uns die (sichere?) Entsorgung des atomaren Mülls kosten wird. Wobei wir hier nicht von ein paar Jahren, sondern von hunderten von Jahren sprechen.
Die japanische Atomkatastrophe hat wieder einmal gezeigt, daß der Gau in kerntechnischen Anlagen nicht ausgeschlossen werden kann, sei es durch menschliches oder technisches Versagen oder durch höhere Gewalt. Die Konsequenz daraus muß lauten, daß die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft den bisherigen Energiemix noch einmal neu überdenken müssen. Dazu gehört auch, sich in Anbetracht der verständlichen Ängste sich nichts vorzumachen und glauben zu wollen, man könne jetzt in kürzester Zeit vollständig aus der Atomenergie aussteigen und diese durch regenerative Energieträger problemlos ersetzen, wie es die Grünen, die AKW-Bewegung oder Greenpace propagieren. Ein nüchterner Blick auf die Fakten zeigt, daß dies unrealistische Erwartungen sind, die nicht erfüllt werden könen, jedenfalls nicht in wenigen Jahren. Denn: der Anteil aller regenerativen Energieträger am Gesamtenergiemix beträgt gerade einmal 16 %, trotz hoher Subventionen bis 2013 in Höhe von rd. 77 Mrd EU. Wohingegen der Anteil der Kernergie am Strommix bei 23 % liegt. Ergo: wir hätten bei einer Sofortabschaltung eine Versorgungslücke. Eine Stromwirtschaft, die sich ausschließlich über erneuerbare Energieträger definiert, ist eine anspruchsvolle Herkulesaufgabe für Jahrzehnte, da hierzu intelligente neue Stromnetze (Smard Grid), Verteiler und Gleichstromleitungen neben einer 150 % tigen Aufstockung von Wind-,Solar-und Biomassekraftwerken notwendig wäre. Wer soll das bezahlen im Angesicht der immer noch bestehende Finanzkrise und klammer Haushaltskassen? Und dann wäre da noch das Problem der Schwankungen. Strom müßte in enormen Mengen gespeichert werden können, um eine dauerhafte und sichere Energieversorgung Tag und Nacht sicherzustellen. Dazu bedarf es dann eines weiterhin bestehenden Anteils von Kraftwerken in der Grund-und Mittellast, die diese Schwankungen ausgleichen.
Wir von Revierkohle fordern die Bundesregierung und die Politiker aller Fraktionen daher auf, auch eine Neubewertung über die Bedeutung der Stein-und Braunkohlekraftwerke für die Versorgungssicherheit in der Zukunft vorzunehmen.
Gerade in Krisenzeiten zeigt es sich wieder einmal, wie gut es ist, daß wir Lagerstätten besitzen, die für eine Übergangszeit von sogar mehreren hundert Jahren eine ausreichende Versorgungssicherheit im Bereich der Grund-und Mittellast garantieren. Und durch Modernisierung und Erneuerung des Kraftwerkparks wird es auch gelingen, in wenigen Jahren die C02-Emissionen erheblich zu reduzieren. Es ist ehrlicher, dies zu akzeptieren, als den Ausstieg aus Atom-,Stein-und Braunkohle dem Wahlvolk als umweltpolitischen Erfolg zu verkaufen, wie es unsere Gegner gerne tun, während der Atomstrom aus Frankreich, Belgien, Polen etc. und die Billigimportkohle durch die Hintertür ins Land kommt. Dem Umweltschutz wäre damit in keinster Weise gedient.
Revierkohle, 18.03.2011
