Unterirdischer Klimaretter Ketzin
Das Geoforschungszentrum in Potsdam hatte Mitte Febr. 250 Fachleute nach Ketzin eingeladen, um über den Stand des Forschungsprojektes "C02-Sink" zu informieren. Die Fachleute waren sich einig, daß es in Zukunft darum gehen muß, die Verbrennung fossiler Energieträger klimaneutral zu verwirklichen. Die technische Möglichkeit hierzu heißt "Carbon-Capture and Storage" (CCS. Bitte lessen Sie hierzu auch unseren ausführlicheren Bericht in unserem neuen Jahrbuch "Revierkohle 2009", welches Sie unter der ISBN 978-3-00-030489-7 erhalten können)
Seit 2008 wird im brandenburgischen Ketzin in einer salzwasserführenden und porösen Sandsteinschicht in rd. 700 m Teufe das klima-schädliche C02 eingelagert. Bisher sind es 30.000 T. Bis zum Ende des Forschungsvorhabens in 2012 will man rd. 90.000 T Kohlenstoffdioxid in Ketzin eingebracht haben. Auf der Tagung wurde u.a. diskutiert, ob sich Geothermie, also die Nutzung von Erdwärme und die gleichzeitige Abscheidung von C02 im Wege stehen könnten, da dummerweise die gleichen Areale in Deutschland für die Nutzung bzw. Endlagerung in Frage kommen. Das ist zum einen das süddeutsche Molassebecken und zum anderen der Oberrheingraben. Die Fachleute verneinten, da C02 in rd. 700-900 m Teufe eingebracht wird, während die Tiefen-Geothermie die Erdwärme in 3000 bis 5000 m Tiefe nutzt. Für die Abscheidung von C02 will man ländliche Regionen mit stabilem und dichtem Deckgebirge wählen, während man die Tiefengeothermie hauptsächlich in Städten einsetzen will. Das C02-Gas darf auch nicht tiefer eingebracht werden, weil es sonst zu warm wird und sich nicht verdichtet. Es wäre aber auch möglich, so Ernst Huenges vom Geoforschungszentrum in Potsdam, im oberen Stockwerk C02 zu entsorgen und viel tiefer Erdwärme anzuzapfen, ohne das C02 austritt. Damit nicht wieder sog. Umweltschützer die segensreiche CCS- Technologie in der Öffentlichkeit als "gefährliches Endlager" - in Analogie zu den tatsächlich gefährlichen Atomendlagerstätten- verunglimpfen, wollen die Experten vor allem den Meeresboden nutzen. Hierzu sollen Pipelines das C02 in rd. 3000 m Tiefe hineinpumpen. Dort verdichtet es sich dann am Meeresboden und kann nicht mehr aufsteigen. Gute Erfahrungen hat man hier im sog. Sleipner-Ölfeld in der Nordsee gemacht. Dort werden seit 1996 jährlich rd. eine Million T C02 hineingepumpt. Die C02-Gaslache breitet sich seither unterirdisch aus und wandert mit einem Meter pro Tag seitwärts. Der Druck im Boden über den Injektionsstelle hat sich erhöht. Dadurch könnten auf längere Sicht haarfeine Risse im Erddeckel entstehen. Eine vollständige Abdichtung ist z.Zt. zu 100 Prozent nicht möglich. Aus diesem Grunde, so die Experten, muß man sich mit Leckagen und deren Beseitigung auseinander-setzen. Das gilt auch für die Geothermie. Am Geothermieprojekt in Basel gab es 2006 ein Erdbeben auf der Richterskala von 3,4. Ausgelöst durch eine Bohrung. Hunderte von Gebäuden wurden dabei beschädigt.
vgl.hz. a. GFZ Potsdam, Handelsblatt vom 19.02.2010 und Revierkohle-Jahrbuch 2009