RK-Redaktion

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Samstag, den 13. August 2011 um 13:33 Uhr

RWE und Gazprom planen Partnerschaft

Gemeinsame Betreuung von Steinkohle-und Gaskraftwerken als Ziel

Der Energieriese RWE will sein Kraftwerksgeschäft künftig mit dem russischen Energiekonzern Gazprom zusammen planen und betreuen. Das schließt den Bau und den Betrieb von Kraftwerken in der Bundesrepublik als auch in anderen Ländern mit ein. Gazprom-Chef Alexey Miller und RWE-Chef Jürgen Großmann unterzeichneten bereits im Juli 2011 eine entsprechende Absichtserklärung. Alle Kraftwerke sollen in ein neues Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden. Das Kartellamt hat allerdings schon seine Bedenken angemeldet. Präsident Andreas Mundt meinte, daß man sich eine solche enge Verbindung mit einer so großen Machtkonzentration unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten betrachtet sehr genau ansehen werde. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte vermutet, daß die Russen wegen des Atomausstieges und wegen des in diesem Zusammenhang entstehenden Renditeausfalls bei RWE als Ankeraktionäre ins Boot geholt worden sind. Revierkohle ist der Ansicht, daß eine solche Verbindung nicht ohne Risiko ist. Es geht schließlich nicht nur um Wachstumschancen,  wie RWE-Chef Großmann betont, sondern auch um eine langfristige Versorgungssicherheit und um bezahlbare Strompreise. Generell sind Abhängigkeiten vom Ausland in so großem Ausmaße kritisch zu sehen, da man nie weiß, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Erpressung war schon immer ein beliebtes Mittel in der Politik.  Und das gilt nicht nur für solch "lupenreine" Demokratien" wie Russland und sein regierungsnaher Energiekonzern Gazprom.   

vgl. hz. WAZ vom 14.7.2011, financial Times Deutschland vom 15.7.2011 und Revierkohle vom 13.08.20211 

Samstag, den 13. August 2011 um 13:10 Uhr

Bundesnetzagentur befürchtet Stromknappheit im Winter

Folgen der Kernkraftwerksabschaltungen

Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, befürchtet aufgrund der beschlossenen Stilllegung von 8 Kernkraftwerken bei einem strengen Winter einen Engpass in der Stromversorgung. Damit stellte sich Kurth auf die Seite der Energieversorger, die ebenfalls mit  einer Stromknappheit im Winter rechnen. Um eine Stromlücke in Süddeutschland, wo die meisten Kernkraftwerke stehen, zu vermeiden, zogen die Netzbetreiber, RWE-Amprion und EnBW-Netze auch die Abschaltung von Strom bei Großkunden in Betracht. Durch den Wegfall der Atommeiler würden in Süddeutschland rd. 2000 Megawatt-Leistung fehlen. Das entspräche der Leistung von zwei AKW´s. Offen ist noch, ob bis 2013 ein oder zwei Meiler im "Stand-By-Betrieb" am Netz bleiben sollen. Durch die Stillegung der AKW´s Biblis A und B, Philippsburg 1, Neckarwestheim 1 und Isar 1 sowie Krümmel fehlen zur Zeit 8.500 Megawatt Strom, betonte Kurth gegenüber der Presse. Da Steinkohle nicht strahlt und in ausreichendem Masse in Deutschland noch vorhanden ist, stellt sich die Frage, warum die Bundesregierung angesichts der erwarteten Engpässe an Ihrem unsinnigen Ausstiegsbeschluß aus der Steinkohlenförderung 2018 festhält. Eine vernünftige, d.h., nachvollziehbare Begründung gibt es leider nicht. 

vgl. hz.a. WAZ vom 12.7.2011, Der Spiegel, 33 KW, Financial Times, Handelsblatt vom 27.5.2011 und Revierkohle vom 13.8.2011   

Samstag, den 13. August 2011 um 12:34 Uhr

E-ON will 11.000 Stellen streichen

Betriebsrat befürchtet Kahlschlag

E-ON Chef Johannes Teyssen hat die Streichung von rd. 11. 000 Arbeits-plätzen bei dem Energiekonzern angekündigt. 60 % davon sollen in Deutschland wegfallen. Gleichzeitig prüft  der Vorstand die Auflösung von E-ON Ruhrgas in Essen,  E-ON Kraftwerke in Hannover und E-ON Energie in München. Von den weltweit 79.000 Mitarbeitern beschäftigt E-On in Deutschland rd. 35.000 Mitarbeiter. Angeblich steht E-ON wegen des besschlossenen Atomausstiegs der Bundesregierung sowie wegen der Gewinneinbrüche im Gashandel unter Druck. Der Konzern-Betriebsratsvorsitzende Hans Prüfer fordert seit Tagen ohne Erfolg Klarheit vom Vorstand über die beabsichtigten Abbaupläne. Für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Familien ist der gigantische Abbau eine Katastrophe. Gegenüber  der Presse gab sich der Konzern ebenfalls zugeknöpft. Die Projektegruppen, die sich mit der geplanten Auflösung der Gesellschaften Ruhrgas und E-ON München schon seit längerer Zeit  beschäftigen, stehen unter der Leitung des ehem. Ruhrgas-Chefs Bernhard Reutersberg und E-ON Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Mauchbach. Die Gewerkschaft Ver.di hält die Begründung für den Stellenabbau für fadenscheinig. Schließlich sei der Atomausstieg bereits im Jahre 2000 diskutiert und in 2002 mit Unterstützung von E-ON unter der rot-grünen-Bundesregierung unter Bundeskanlzer Gerhard Schröder beschlossen worden. Das dieser dann wieder durch die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Angela Merkel bis zur Atomkatastrophe in Fukushima aufgehoben wurde, hätte E-ON nicht dazu verleiten dürfen, anzunehmen, daß dieser ein für alle mal vom Tisch sei. In das gleiche Horn blies auch die Opposition. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich (wohl eher aus populistischen Gründen) in die Debatte eingeklinkt und den geplanten Stellenabbau scharf kritisiert. Der Großteil der Probleme bei E-ON sei hausgemacht und durch Fehlentscheidungen beim Management entstanden, so Gabriel. Über konkrete Schritte wird der Aufsichtsrat Ende Okt. 2011 entscheiden. Die Gewerkschaften werden bis dahin überlegen, wie sie dem geplanten Kahlschlag entgegenwirken können.

vgl. hz.a. WAZ vom 5.8.2011, 12.8.2011, Financial Times vom 11.08.2011 und Revierkohle vom 13.8.2011

Samstag, den 04. Juni 2011 um 12:18 Uhr

Lagerstättenzugang darf nicht verloren gehen

 

Revierkohle plädiert wiederholt für den Erhalt einer Schachtanlage als Forschungszeche

Am 4.5.2011 hat in einer Nacht-und-Nebel Aktion die Bundesregierung den Ausstieg aus dem subventionierten Deutschen Steinkohlenbergbau bis 2018 beschlossen und die im Steinkohlefinanzierungsgesetz von 2007 festgeschriebene Revisionsklausel gekippt. Diese wurde seinerzeit in das Gesetz mit aufgenommen als Kompensation für das Einverständnis der IGBCE zu  weiteren -politisch gewollten- Stilllegungen von Schachtstandorten.  Eine Überprüfung des Ausstiegs aus dem Ausstieg durch externe Experten findet nun nicht mehr statt.  Offensichtlich hat sich die Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel (CDU)  zu dieser katastrophalen Entscheidung durchgerungen, weil sie glaubte, so die EU besänftigen zu können, nachdem diese ein Ende des subventionierten Steinkohlenbergbaus bereits für 2014 gefordert hatte. Der zuständige EU-Energiekommissar Öttinger hatte bei den entscheidenden Vorverhandlungen übrigens durch Abwesenheit geglänzt.    

Damit geht eine über 150jährige Industriegeschichte in Deutschland verloren. Und nicht nur das: es droht ein Verlust von weiteren 25.000 Arbeitsplätzen samt qualifizierten Ausbildungsplätzen in strukturschwachen Regionen des Reviers (Bottrop, Ibbenbüren, Marl, Ensdorf, Kamp-Lintfort)  sowie der Abgang hochspezialisiertem ing.-wissenschaftlichem Know-How. Wenn 2018 die letzte Zeche geschlossen und der letzte Schacht verfüllt sein wird, dann werden die Kohlenlagerstätten absaufen. Damit wäre der Zugang zu diesen unwiederruflich verloren. Und das würde gleichzeitig bedeuten, daß die Politik den Verlust von Rohstoffvorräten, die in NRW für über 300 Jahre noch vorhanden ist,  billigend in Kauf nimmt. Getreu unserem provokanten Werbetitel: "Billigimportkohle ist billig, weil Kinderarbeit auch so schön billig ist."  Dieser Skandal geht übrigens zum Großteil auf das Konto der FDP.  Gott sei Dank, daß diese Partei politisch nunmehr in die Bedeutungslosigkeit abrutscht.  

An die politisch und ideologisch unvoreingenommen Politker im Bund und in den Ländern plädieren wir 6 Jahre vor dem endültigen Aus des deutschen Steinkohlenbergbaus: macht es Euch nicht so leicht! Die Kosten für die Stromerzeugung muß trotz gewünschtem Ausbaus der regenerativen Energieträger  für alle Menschen bezahlbar bleiben. Und das gilt erst recht für die energieintensive Wirtschaft. Wir sind und wir wollen eine Industrienation bleiben. Denn nur so läßt sich der Wohlstand und anständige Arbeitsplätze auf Dauer sicherstellen.  Daher plädieren wir für den Erhalt von mindestens einer Schachtanlage als Forschungszeche. Wir schließen uns mit dieser Forderung der NRW-Landesregierung und dem Verband der Bergbaumaschinenhersteller an. Diese hatten sich unserer Forderung auf einem  Branchentreffen im Dez. 2010 auf der Zeche Zollverein in Essen angeschlossen.  Von wem die Kosten in Höhe von rd. 2-5 Mio. pro Jahr für die Aufrechterhaltung des Förderbetriebs getragen werden sollen, ist noch offen. Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD-Landesregierung NRW) zeigte sich gesprächsbereit. Wir werden uns jedenfalls auf der politischen Ebene weiterhin aktiv für den Erhalt eines Sockelbergbaus einsetzen. Das sind wir unseren verdienten Kumpels und unseren Mitgliedern schuldig.

vgl.hz. a. WAZ vom 2.12.2010 und Revierkohle vom 4.06.2011

Samstag, den 04. Juni 2011 um 11:27 Uhr

Kernergie: 180 Grad-Wende beschlossen

2021 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz

Die Bundesregierung hat in der Atompolitik nach dem Supergau in Fukushima eine 180-Grad-Wende vollzogen. Am 30.5.2011 verkündete Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) der staunenden Öffentlichkeit, daß die BR nunmehr einer Verlängerung der ursprünglich beschlossenen Laufzeitverlängerung abschwört und die Stilllegung aller Atommeiler bis spätestens 2021 mit Ausnahme einer sog. kalten Reserve beschlossen hat. Ob der Ausstiegsbeschluß von den AKW-Betreibern angefochten wird, ist noch offen. RWE erwägt rechtliche Schritte, da sich die Einnahmen von RWE um rd. 1,3 Mrd. EUR verringern werden. Noch höhere Verluste wird wohl E.ON als größter AKW-Betreiber einfahren. Aber was ist schon solch ein Verlust wert, wenn es um Mio. von Menschenleben geht?  Auch die CSU will sich nun der Suche nach einem neuen Endlager für die alten Brennelemente nicht mehr entziehen. CSU-Chef Horst Seehofer hat sich dafür ausgesprochen, das alle geologischen Daten noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden sollen, um Alternativen  zu dem umstrittenen Salzstock in Gorleben zu finden. Wie dem auch sei: teuer wird es für den Vebraucher so oder so. Denn der Rückbau wird Jahrzehnte dauern. Ebenso wie die zunächst jahrelange oberirdische Abkühlung der Brennelemente sowie die anschließende dauerhafte (und sichere?) unterirdische Entsorgung. 

Wir von Revierkohle haben immer schon gesagt "Steinkohle strahlt nicht." Das hat auch die Bundesregierung begriffen und will bei Energieengpässen verstärkt auf fossile Kraftwerke zurückgreifen.  Trotz der absehbaren Engpässe in der Stromversorgung und der enormen Preissteigerungen, die bei einem schnelleren Ausbau der regenarativen Energieträger zu erwarten sind. Die der BR nahestehende Deutsche Energieagentur rechnet mit bis zu 5 Ct pro kWh höheren Stromkosten, die Grünen nur mit 1 bis 1,5 Ct pro kWh bis 2020 . Dazwischen wird wohl die Wahrheit liegen.  Da bezahlbare Stromkosten genau das Problem in den nächsten Jahren sein wird, plädieren wir abermals an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern und fordern von Ihnen die tatkräftige Unterstützung für eine umweltfreundliche Erneuerung alter Kraftwerke, da diese in den nächsten 20-30 Jahren die Brückentechnologie ins regenerative Energiezeitalter sein werden. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist aber nur zu bekommen, wenn diese so wenig Co2 wie möglich ausstoßen. Am besten: überhaupt nichts. Das das möglich ist, zeigen die erfolgreichen Entsorgungsbemühungen der geologischen Forschungsanstalt des Helmholtz-Instituts in Ketzin. Dort hat in einem Großversuch Vattenfall vor einigen Wochen erfolgreich 23 Tonnen Co2 unterirdisch verpressen lassen. Dank CCS-Technologie. (Capter- Carbon and  Storage-Verfahren)

Noch wichtiger wird sein, daß die Bundesregierung bis 2018 erkennt, daß trotz Ausstiegsbeschlusses aus dem subventionierten Deutschen Steinkohlenbergbau der Zugang zu den über 300 Jahre noch vorhandenen Lagerstätten nicht endgültig aufgegeben werden darf. Denn der Rohstoffmarkt ist unberechenbar. Wir plädieren daher gemeinsam mit den Bergbauzulieferern und der Landesregierung von NRW für den Erhalt einer Forschungszeche in NRW. 

vgl.hz.a. financial times deutschland vom 30.5.2011 und Revierkohle vom 4.6.2011

 

Sonntag, den 08. Mai 2011 um 12:42 Uhr

Endlich: die C02-Entsorgung im Großversuch hat begonnen

Die ersten 23 Tonnen wurden unterirdisch verpresst

Unter dem Motto " die Kohle wird klimafreundlich" berichtete Revierkohle im Jahresband "Montankultur-Rückblick" 2009 bereits ausführlich über die Bemühungen des Geoforschungszentrums (GFZ) in Ketzin bei Brandenburg über das Bemühen, die Folgen einer großflächigen  unterirdischen Verpressung  von Kohlendioxid auf die Umwelt zu untersuchen.  Diese Untersuchungen wurden mit Hilfe des sog. "Carbon Dioxide Capture and Storage-Verfahrens " ( CCS) seit 2006 erfolgreich durchgeführt. Das Projekt " Co2-Sink" war erfolgreich insofern, als daß nachgewiesen werden konnte, daß kein Co2 durch die porösen Sandsteinschichten zu Tage trat. Auf neuer gesetzlicher Grundlage wurde nunmehr ein Großversuch gestartet. Vattenfall lieferte am 4.5.2011 mit einem Tanklastwagen 23 Tonnnen flüssiges Co2 aus der Versuchskleinkraftwerksanlage  Schwarze Pumpe, die in den kommenden vier Wochen sukzessive unterirdisch in 650 m Teufe verpresst werden sollen.  Wenn dieser Großversuch ebenfalls erfolgreich verlaufen sollte, würde die Technik bald ihre markftfähige Anwendungsreife erlangen. Das wäre nicht nur für die Akzeptanzförderung wichtig, sondern auch ein Meilenstein im Hinblick auf die erhoffte Verwirklichung der Idee, daß Kraftwerke fast emissionsfrei Kohle verfeuern können, wenn gleichzeitig nachgewiesen werden könnte, daß die unterirdische Verpressung von C02 auch langfristig keine verherrenden Umweltschäden durch Wiederaustritt verursacht. Gleichzeitig würden wir damit unseren Gegnern ein für allemal den Zahn gezogen haben. Das diese Hoffnung keine wirklichkeitsfremde Illusion ist, zeigt die Tatsache, daß die natürlich vorhandenen Erdgasfelder in Jahrtausenden ebenfalls sicher verkapselt im Erdinneren schlummern und das es trotz Anbohrungen- ander als beim Öl - bisher zu keinen größeren Umweltschäden gekommen ist. Unsere Hoffnung konzentriert sich darüber hinaus auf die Verpressung von C02 in sog. salinen Aquiferen. Das sind poröse und salzwasserhaltige Gesteinsschichten in 800 bis 1000 m Teufe, die den unschätzbaren Vorteil haben, daß sie in der Lage sind, Kohlendioxid wie einen Schwamm aufzusaugen. Zusätzliche Sicherheit bieten die in der Regel in solchen Biotopen vorkommenden gebirgigen undurchlässigen Deckschichten.  Die Forschung auf diesem Gebiet bleibt spannend und schreitet schnell voran. Negativ schlägt dabei allerdings zu Buche, daß der derzeitige technische CCS-Entwicklungsstand eine Reduzierung des Wirkungsgrades eines Kraftwerkes bis zu 15 % zur Folge hat. Dieses Problem muß reduziert werden, da ansonsten die Wirtschaftlichkeit eines Kraftwerkes in Frage steht.

vgl. hz.a. Der Spiegel vom 4.5.2011 und Revierkohle vom 7.05.2011

Sonntag, den 17. April 2011 um 13:24 Uhr

Ist das Ende des Steinkohlebergbaus besiegelt ?

Bundesregierung kippt Revisionsklausel des Steinkohlefinanzierungsgesetzes von 2007

Am Donnerstagabend, den 14.04.2011 wurde klamm und heimlich das Ende des subventionierten deutschen Steinkohlenbergbaus durch die Bundesregierung besiegelt, nachdem die Bundeskanzlerin, Frau Angelika Merkel (CDU) Herrn Bundestagspräsidenten Lammert schriftlich darum gebeten hatte, eine diesbezügliche Entscheidung herbeizuführen. Damit macht sich die Bundesegierung ohne Not zu 100 % abhängig vom Ausland. Sieht man sich die Verteilungslage der Kohle am Energiemix an, so zeigt sich, daß die Bundesrepublik nach wie vor zu über 60 % Ihrer Stromversorgung aus fossilen Energieträgern gewinnt. Unter Berücksichtigung des angedachten Atomkraftausstiegs aus dem Energiemix wird der geplante Ausbau der regenerativen Energieträger als Ersatz nach unserer Auffassung kaum in der Lage sein, eine schwankungsfreie und jederzeitig verfügbare und sichere Stromversorgung bis 2020, wie von der BR geplant, zu gewährleisten. Dazu ist die derzeitige Technik nicht in der Lage und der Anteil aller regenerativen Energieträger liegt gerade einmal bei 16,3 %. Da die Atomkraft derzeit einen Anteil am Energiemix von 23 % hat, ergibt sich Ergo eine Deckungslücke von 6,7 %. Die wird man durch fossile Energieträger ausgleichen müssen, da diese in ausreichendem Maße und preiswert zur Verfügung steht. Um den Anteil der regenerativen Energieträger wesentlich zu erhöhen, bedarf es Mrd. EUR von Investitionen, die der Steuerzahler aufbringen müßte. Z.B. für den Ausbau neuer Stromnetze und den Ausbau von Windkraftanlagen. Auch ist das Problem der Speicherung von Strom noch lange nicht effizient gelöst. Gerade unser heimischer Energieträger würde sich in vorzüglicher Weise als wahre Brückentechnologie anbieten, da er für über 300 Jahre noch erschließungsfähig ist und mit einer einsatzreifen CCS-Technologie auch umweltfreundlich einsetzbar wäre.

Warum die Bundesregierung der EU unnötig Tribut zollt und damit die Arbeitsplatzsicherheit der Bergleute und ihre Zukunft zugunsten der Erhöhung der Importe aus Billigimportkohleländern wie Kolumbien, Südafrika, China, Russland und Indien aufs Spiel setzt, bleibt unbegreiflich und ist wohl nur zu verstehen, wenn man die politischen Machtspielchen berücksichtigt, die im Hintergrund gelaufen sind und zu einer solch unfassbaren und unklugen Entscheidung geführt haben.  Wir möchten nicht unerwähnt lassen, daß die Entscheidung, die Revisionsklausel im Steinkohlenfinanzierungsgesetz zu kippen, die eine Überprüfung des Ausstiegs aus der Beihilfe für den deutschen Steinkohlenbergbau durch unabhängige Experten forderte, nur von der SPD in NRW kritisiert wurde. Im Bundestag enthielt sich allerdings die SPD und die Linke der Stimme, obschon die SPD Tags zuvor in Ausschussberatungen für eine Zukunft des deutschen Steinkohlenbergbaus nach 2018 plädiert hatte. Das die Grünen und die FDP dagegen gestimmt haben, war nicht anders zu erwarten.    

2018 geht damit eine über 150 jährige Industriegeschichte zu Ende. Revierkohle wird sich vom Sprachrohr für die Deutsche Steinkohle zum Montankulturförderer und Unterstützer für die Modernisierung der verbleibenden Kohlekraftwerke wandeln müssen. Hier steht Revierkohle  mit zwei großen Energieversorgern im Gespräch und wird in 2012 eine neue Kooperation eingehen. 

vgl. hz.a. web.de.nachrichten und Revierkohle vom 18.04.2011

Sonntag, den 17. April 2011 um 12:18 Uhr

Folgen der Freizügigkeitsregelung in der EU ab Mai

DGB befürchtet Lohndumping  

Ab dem 1.Mai 2011 können alle osteuropäischen Arbeitnehmer in der EU ohne Beschränkungen arbeiten. Die Gewerkschaften befürchten deshalb erhebliche Lohnabsenkungen und fordern zum 1. Mai gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Wenn man bedenkt, wie niedrig die Löhne z.B. in Polen, Estland,Ungarn und Tschechien sind und die Arbeitnehmer mit den dort geltenden Lohnstandards künftig bei uns arbeiten dürfen, dann ahnt man, daß die Sorge der Gewerkschaften nicht unbegründet ist. Keine Arbeitsagentur muß die Einreise ab Mai  mehr genehmigen.  Das wird Probleme schaffen und den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen. Zwischen 100.000 und eine Million ausländische Arbeitssuchende erwartet die IGBCE. Vor allem die deutschen Arbeitnehmer in den unteren Lohnsegmenten wird diese "Frei-Zügigkeit" treffen, so der stellv. IGBCE-Bezirksleiter, Klaus Brüske. Zwar würde das Entsendegesetz hier geltende Standards beim Lohnanspruch, bei der Urlaubsregelung und der Arbeitssicherheit absichern, jedoch nur auf niedrigstem Niveau und es würde auch nur für einige geschützte Branchen wie z.B. der Bauwirtschaft oder im Krankenhauspflegebereich gelten. Die Leiharbeitnehmer gehören jedoch nicht dazu. Und gerade diese Gruppe wächst seit einigen Jahren kontinuierlich. Da ab Mai die jeweils geltenden Arbeitsbedingungen aus den Herkunftsländern gelten, wird auch die Kontrolle für den Zoll schwieriger, da dieser zu prüfen hätte, welches Länderrecht greift. Die Arbeitgeber reiben sich derweil schon einmal kräftig die Hände. Kein Wunder, denn die durchschnittlichen Arbeitskostenunterschiede sind z.T. grafierend. So liegen diese z.B. in Polen gerade einmal bei 6,90 EUR im Durchschnitt, während sie in Deutschland bei 30,90 EUR liegen. Allerdings hinkt dieses Beispiel, weil hier die Durchshnittsarbeitskosten aus allen Branchen betrachtet werden. Fakt bleibt dennoch, daß sich die Arbeitnehmer in Zukunft noch besser gegeneinander auspielen lassen durch die politisch gewollte importierte Lohnsenkung. Der DGB hat daher recht, wenn er fordert, daß als Grundprinzip gelten muß: gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort. 

vgl. hz. a. DGB-Aufruf zum 1.Mai 2011; waz v. 13.4.2011 und Revierkohle vom 18.04.2011  

Freitag, den 18. März 2011 um 18:46 Uhr

An der Leipziger Strombörse steigen die Preise

Folge des Atom-Moratoriums

Als Reaktion auf das von der Bundesregierung beschlossene 3-monatige-Atom-Moratorium steigt an der Leipziger Strombörse der Preis um rd. 3 % auf 59,80 EUR je Megawattstunde Strom. Sollte dieser Preisanstieg von Dauer sein, würde das die stromintensive Industrie besonders hart treffen, da der Stromanteil in der rohstoffverarbeitenden Industrie bei 30 % der Bruttowertschöpfung liegt. Als besonders energieintensiv gilt die Stahl-und die Aluminiumindustrie sowie die Papier-und Chemieindustrie.

Derzeit fahren die Stahlkocher aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung ihre Werke z.T. an der Kapazitätsgrenze. Die chemische Industrie ist ebenfalls gut ausgelastet und verbraucht rd. 55 Mio. Megawattstunden pro Jahr. Das sind 8 % des gesamten Stromverbrauchs der Bundesrepublik Deutschland.

vgl.hz. financial times  deutschland vom 16.03.2011 

Freitag, den 18. März 2011 um 16:20 Uhr

Unsere Antwort auf das Atom-Moratorium

Die Abschaltung von 7 Atomkraftwerken ist ein richtiger Schritt - jetzt  müssen weitere Schritte folgen

Die verherrende atomare Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis am 11,12 und 13 März 2011, in deren Folge in drei Kraftwerksblöcken eine Kernschmelze durch Stromausfall einsetzte, hat die Bundesregierung binnen 24 Stunden zu der eigentlich nicht neuen Erkenntnis gebracht, daß auch unsere Atomkraftwerke möglicherweise doch nicht so sicher sind, wie bis zum 13.3.2011 u.a. von Bundeskanzlerin Angela Merkel behauptet wurde. Von "sicher" auf "sicher lieber abschalten" - wenngleich  auch nur für 3 Monate-bedurfte es angesichts der  japanischen Tragödie dann nur weniger Stunden. Offiziell! Inofiziell ist den verantwortlichen Behörden die Störanfälligkeit gerade der bis zu 30 Jahre alten Atommeiler durchaus seit Jahren bekannt, denn diese müssen gemeldet werden. Das Moratorium der Bundesregierung sollte aber nicht nur zu einer erneuten und genaueren Sicherheitsüberprüfung aller AKW´s genutzt werden um dann - wenn der Wahlkampf vorbei und die japanische Katastrophe nicht mehr Gegenstand der hitzigen und besorgten Diskussion in den Medien die Titelzeilen schmückt- zur Tagesordnung wieder überzugehen. Vielmehr sollten die Altmeiler für immer vom Stromnetz genommen werden, da sie durch Alterung und techn. Versagen eine Dauerbedrohung darstellen. Und sie kosten dem Steuerzahler ein Vermögen. Niemand kann heute genau beziffern, was uns die (sichere?) Entsorgung des atomaren Mülls kosten wird. Wobei wir hier nicht von ein paar Jahren, sondern von hunderten von Jahren sprechen. 

Die japanische Atomkatastrophe hat wieder einmal gezeigt, daß der Gau in kerntechnischen Anlagen nicht ausgeschlossen werden kann, sei es durch menschliches oder  technisches Versagen oder durch höhere Gewalt. Die Konsequenz daraus muß lauten, daß die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft den bisherigen Energiemix noch einmal neu überdenken müssen. Dazu gehört auch, sich in Anbetracht der verständlichen Ängste sich nichts vorzumachen und glauben zu wollen, man könne jetzt in kürzester Zeit vollständig aus der Atomenergie aussteigen und diese durch regenerative Energieträger problemlos ersetzen, wie es die Grünen, die AKW-Bewegung oder Greenpace propagieren.  Ein nüchterner Blick auf die Fakten zeigt, daß dies unrealistische Erwartungen sind, die nicht erfüllt werden könen, jedenfalls nicht in wenigen Jahren. Denn: der Anteil aller regenerativen Energieträger am Gesamtenergiemix beträgt gerade einmal 16 %, trotz hoher Subventionen bis 2013 in Höhe von rd. 77 Mrd EU. Wohingegen der Anteil der Kernergie am Strommix bei 23 % liegt. Ergo: wir hätten bei einer Sofortabschaltung eine Versorgungslücke. Eine Stromwirtschaft, die sich ausschließlich über erneuerbare Energieträger definiert, ist eine anspruchsvolle Herkulesaufgabe für Jahrzehnte, da hierzu intelligente neue Stromnetze (Smard Grid), Verteiler und Gleichstromleitungen neben einer 150 % tigen Aufstockung von Wind-,Solar-und Biomassekraftwerken notwendig wäre. Wer soll das bezahlen im Angesicht der immer noch bestehende Finanzkrise und klammer Haushaltskassen? Und dann wäre da noch das Problem der Schwankungen. Strom müßte in enormen Mengen gespeichert werden können, um eine dauerhafte und sichere Energieversorgung Tag und Nacht sicherzustellen. Dazu bedarf es dann eines weiterhin bestehenden Anteils von Kraftwerken in der Grund-und Mittellast, die diese Schwankungen ausgleichen. 

Wir von Revierkohle fordern die Bundesregierung und die Politiker aller Fraktionen daher auf, auch eine Neubewertung über die Bedeutung der Stein-und Braunkohlekraftwerke für die Versorgungssicherheit in der Zukunft vorzunehmen.

Gerade in Krisenzeiten zeigt es sich wieder einmal, wie gut es ist, daß wir Lagerstätten besitzen, die für eine Übergangszeit von sogar mehreren hundert Jahren eine ausreichende Versorgungssicherheit im Bereich der Grund-und Mittellast garantieren. Und durch Modernisierung und Erneuerung des Kraftwerkparks wird es auch gelingen, in wenigen Jahren die C02-Emissionen erheblich zu reduzieren. Es ist ehrlicher, dies zu akzeptieren, als den Ausstieg aus Atom-,Stein-und Braunkohle dem Wahlvolk als umweltpolitischen Erfolg zu verkaufen, wie  es unsere Gegner gerne tun, während der Atomstrom aus Frankreich, Belgien, Polen etc. und die Billigimportkohle durch die Hintertür ins Land kommt. Dem Umweltschutz wäre damit in keinster Weise gedient. 

Revierkohle, 18.03.2011 

 

 

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